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Anlagenbau

Nischenplayer oder globales Netzwerk? Der Wettbewerb
im Anlagenbau wird vielschichtiger und härter.


Der Anlagenbau ist gerade im Energiesektor stark schwankender Nachfrage ausgesetzt – nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl externer Einflüsse auf seine Kundenindustrie wie Marktliberalisierung, wachsendes Investitionsrisiko, Klimaschutzpolitik, Verfügbarkeit von Brennstoffen oder technologischer Fortschritt in dezentralen Lösungen. Konsequenz hiervon ist ein internationaler Konzentrationsprozess mit einer deutlich sinkenden
Anzahl global agierender Konzerne bei einer gleichzeitig wachsenden Zahl von Spezialisten, insbesondere in technologischen Nischen. Beide Gruppen stehen zunehmend im internationalen Wettbewerb zu Billiganbietern aus Ländern mit kostenbasierten Standortvorteilen, die laufend an Know-how aufholen oder
einfach kopieren.

Die etablierten Anlagenbauer müssen deshalb klare unternehmerische
Antworten auf eine Vielzahl substanzieller und teilweise
divergierender Herausforderungen finden:

  • Erhalt kritischen Know-hows ohne klare mittelfristige Bedarfsprognose für dessen Nutzung
  • Anforderung zur Steigerung von Effizienz und Wirkungsgrad in klassische Technologien zu investieren, ohne die Rahmenbedingungen zur Beurteilung ihres künftigen Stellenwerts zu kennen
  • Unsicherheit über Verfügbarkeit und politische Akzeptanz unterschiedlicher Energieträger
  • Wachsendes Portfolio nachgefragter Technologien, insbesondere infolge der Förderung und zunehmenden Wettbewerbsfähigkeit dezentraler Erzeugungsmodelle

Technologische Führerschaft, die traditionelle Stärke europäischer Anlagenbauer, ist meist nur noch in Nischen möglich. Die bisher oftmals „maßgeschneiderten“ Lösungen sind zu hinterfragen und stattdessen der technologische Vorsprung dazu zu nutzen, eine konsequente Modularisierung und Standardisierung im Sinne eines optimierten Return on Investment für den Kunden voran zu treiben.

Parallel dazu ist der vorausschauende Ausbau von standortgünstigen Netzwerken gefragt – und damit eine bewusste Internationalisierung der Wertschöpfung mit klaren Rollen und eindeutigen funktionalen Schwerpunkten. An die Stelle des Leistungsexports in Drittländer tritt die Erfordernis eines fortschreitenden Leistungsimports aus diesen Ländern, möglichst ohne Qualitätseinbußen.

Die Erschließung zusätzlicher Wertschöpfungspotenziale bildet ebenfalls einen wichtigen Hebel. So gewinnen Revampingund Repowering-Aktivitäten zunehmend an Bedeutung, auch zum Know-how-Erhalt und zur Kundenbindung. Darüber
hinaus werden verstärkt Contracting- und Betriebsführungs- Modelle nachgefragt, die aber zusätzliches Finanzierungs- und Betriebsführungs-Know-how erfordern. Partnerschaften gerade in diesen Bereichen können deshalb für Anlagenbauer einen wichtigen Beitrag zur eigenen Repositionierung leisten.