Energie und Versorgung
Die Energiewirtschaft befindet sich in einem historischen Transformationsprozess mit offenem Ausgang.
Ausgelöst durch die gesetzlich initiierte Marktöffnung mit der Konsequenz deutlich sinkender Profitabilität in den Monopolabschnitten des Energiegeschäfts sowie durch dramatische Verschiebungen der Wertschöpfung und Margen im Wettbewerbsteil werden die Spielregeln und Kräfteverhältnisse in der Versorgungswirtschaft von Grund auf neu definiert. Sichtbare Konsequenzen sind einerseits ein sowohl nationaler als auch internationaler Konsolidierungsprozess über unterschiedliche Energieträger und Wertschöpfungsstufen hinweg, andererseits das Aufbrechen stabiler vertikaler Beziehungen zwischen Versorgungsunternehmen. Damit entsteht die Notwendigkeit der Entwicklung neuer Kernkompetenzen und flexibler Geschäftslogiken zur Sicherung unternehmerischer Handlungsfreiheit.
Traditionelle Paradigmen und Industriestrukturen werden damit grundsätzlich in Frage gestellt. So wird die Bewertung von Energieversorgern zunehmend von einem klar auf Mehrwert ausgerichteten Geschäftsmodell getrieben, mit einer nachvollziehbaren Fokussierung auf Kernkompetenzen in der eigenen Wertschöpfung. Strategien ohne nachvollziehbare Alleinstellung in diesem dynamischen Umfeld und ohne klare Risikobegrenzung durch ein transparentes und schlüssiges Management des Portfolios unterschiedlicher Wertschöpfungsstufen von der Gewinnung der Primärenergie bis zur Bereitstellung der Nutzenergie beim Endkunden gefährden nachhaltig die unternehmerische Existenz. So sind klare Lösungen zur Kompensation der Ergebniseinbußen in den Netzen, aber auch der Synergieverluste aus dem Unbundling gefragt, die oftmals aber nur jenseits der eigenen Unternehmensgrenzen in Kooperationen mit anderen Marktteilnehmern zu finden sein werden.
Die erfolgreiche Bewältigung dieser radikalen Herausforderungen verlangt die Bereitschaft, das eigene Unternehmen neu zu erfinden. Das Modell des vertikal eng verschränkten Energieversorgers mit nur begrenzter interner Transparenz ist zu ersetzen durch ein unternehmerisches Konzept vernetzter Spezialisten innerhalb des Unternehmens bzw. des Konzerns mit verbindlich definierten individuellen Zielsetzungen und eigener Ergebnisverantwortung - jedoch unter dem Dach einer gemeinsamen strategischen Grundlogik. Dies ist Grundlage dafür, vom dynamischen Veränderungsprozess der Industrie nicht getrieben zu werden, sondern selbst zu den aktiven Treibern zu gehören.
